Photovoltaik 2026: Markt im Wandel – zwischen Normalisierung, neuen Chancen und der Preiswende

März 2026 – der deutsche Solarmarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Nach den Rekordjahren 2022 bis 2024 hat sich das Wachstum spürbar verlangsamt. Doch wer jetzt von einer Krise spricht, verkennt die strukturelle Transformation: Der Markt wird erwachsen, die Nachfrage stabilisiert sich auf hohem Niveau, und Batteriespeicher entwickeln sich zum unverzichtbaren Standard. Gleichzeitig zeichnet sich eine historische Preiswende ab – mit weitreichenden Folgen für Verbraucher und Installateure.

1. Marktnormalisierung auf hohem Niveau

“Ich gehe von einem normalen Jahr 2026 aus”, sagt Peter Knuth, Vorsitzender des Bundesverbandes des Solarhandwerks (BDSH), nüchtern . Nach den außergewöhnlichen Boomjahren, in denen Hunderttausende private Haushalte in Photovoltaik investierten, normalisiert sich der Markt nun spürbar. Die aktuellen Zahlen des Marktstammdatenregisters zeichnen ein klares Bild: Im Januar 2026 wurden knapp 26.000 PV-Anlagen im Residential-Segment (5–25 kWp) installiert .

Das entspricht einem Rückgang von rund 29 Prozent gegenüber Januar 2025, aber für einen ungewöhnlich kalten und schneereichen Wintermonat bewerten Marktexperten diese Zahlen als durchaus positiv – sie zeigen eine stabile Nachfrage auf hohem Niveau . Zum Vergleich: In den Boomjahren 2023 und 2024 lagen die Januar-Zahlen bei etwa 53.000 beziehungsweise 51.000 Anlagen .

Die insgesamt installierte PV-Leistung in Deutschland erreichte Ende 2025 rund 117 Gigawatt, der Solaranteil am Strommix lag bei soliden 16,8 Prozent . Im Gesamtjahr 2025 wurden knapp 400.000 Anlagen im Residential-Bereich installiert – nach dem Peak 2023 mit über 670.000 Anlagen ein deutlich niedrigeres, aber weiterhin hohes und belastbares Marktniveau .

2. Strukturwandel: Weniger Anlagen, aber größere Projekte

Hinter den aggregierten Zahlen verbirgt sich ein tiefgreifender Strukturwandel. Der Anteil kleiner Anlagen unter 10 kWp ist im Januar 2026 auf unter 40 Prozent gesunken – ein historischer Tiefstand . Im Gegenzug gewinnen größere Anlagen oberhalb von 10 kWp kontinuierlich an Bedeutung.

Dieser Trend hat handfeste wirtschaftliche Gründe: Größere Anlagen ermöglichen höhere Eigenverbrauchsquoten, insbesondere in Kombination mit Wärmepumpen und Elektromobilität . Für Installateure bedeutet das eine fundamentale Verschiebung: weniger Aufträge, aber größere Projekte mit höherer Wertschöpfung pro Auftrag – und vor allem steigende Anforderungen an Planungskompetenz und Systemintegration .

3. Energy Sharing: Solarstrom direkt an Nachbarn verkaufen

Eine der bedeutendsten Neuerungen 2026 ist die Einführung von Energy Sharing. Seit Ende Dezember 2025 ist der neue Paragraf 42c des Energiewirtschaftsgesetzes in Kraft, der es Betreibern von Photovoltaikanlagen erlaubt, überschüssigen Solarstrom direkt an Nachbarn zu verkaufen .

Bislang war dies praktisch unmöglich: Anlagenbetreiber hätten sich als Stromlieferanten registrieren müssen. Diese Hürden sind nun gefallen . Die neue Regelung ist ein Paradigmenwechsel: Bislang mussten Anlagenbetreiber ihren Überschussstrom zu festen, aber niedrigen Einspeisevergütungen (für Neuanlagen derzeit unter 8 Cent pro Kilowattstunde) ins Netz einspeisen . Gleichzeitig zahlen die Nachbarn für die Entnahme aus dem Netz im Schnitt 35 Cent pro Kilowattstunde an ihren Stromversorger .

Mit Energy Sharing können Betreiber künftig höhere Preise erzielen, während die Nachbarn von günstigerem Strom profitieren – eine klassische Win-Win-Situation . “Die neue Einnahmequelle könnte sich künftig als Alternative zur Einspeisevergütung etablieren”, heißt es von der Kampagne “Zukunft Altbau” .

Voraussetzungen und Umsetzung: Erforderlich sind intelligente Messsysteme (Smart Meter) bei allen Beteiligten sowie zwei Verträge: ein klassischer Liefervertrag zwischen Betreiber und Abnehmer sowie ein Vertrag zur gemeinsamen Nutzung, in dem Energiemengen, Verteilungs- und Vergütungsschlüssel geregelt werden . Ab Juni 2026 müssen Verteilnetzbetreiber Energy Sharing innerhalb ihres Bilanzierungsgebietes unterstützen, ab Juni 2028 gilt dies auch gebietsübergreifend .

4. Batteriespeicher werden zum Standard

Während der Photovoltaik-Markt insgesamt an Dynamik verloren hat, entwickelt sich der Speichermarkt weiterhin positiv. 95 Prozent aller Neuanlagen werden inzwischen mit Stromspeicher installiert . “Mittlerweile rüsten viele Bestandskunden ältere Anlagen nach”, bestätigt Peter Knuth diesen Trend .

Mit knapp zwei Millionen installierten Systemen war Deutschland bis Mitte 2025 der attraktivste Markt für Residential-Speicher in Europa . Allein 2024 wurden fast 600.000 neue stationäre Batteriespeicher installiert, was einem Kapazitätszuwachs von 50 Prozent entspricht . Im Januar 2026 wurden rund 27.500 Residential-Stromspeicher (3–25 kWh) installiert – etwa 19 Prozent weniger als im Januar 2025, was ebenfalls eine Normalisierung auf hohem Niveau zeigt .

Noch dynamischer entwickelt sich das Segment der gewerblichen Stromspeicher. Im Januar 2026 wurden rund 1.248 gewerbliche Speicher über 25 kWh installiert – etwa 34 Prozent mehr als im Januar 2025 . Zusätzlich gingen mehrere Großspeicherprojekte mit jeweils über 20 Megawattstunden ans Netz .

5. Speicherpreise auf historischem Tief

Die Preise für Speicherkapazitäten sind in den letzten 15 Jahren dramatisch gefallen: von über 2.500 Euro pro kWh im Jahr 2010 auf heute durchschnittlich 440 Euro pro kWh . Ein Residential-Speicher mit 10 kWh Kapazität ist bereits für etwa 3.300 bis 4.290 Euro erhältlich . Größere Speicher sind aufgrund von Skaleneffekten pro kWh oft günstiger – 15 kWh-Systeme kosten teilweise unter 390 Euro pro kWh .

Für die kommenden 12 bis 18 Monate erwarten Experten weitere Preissenkungen von -5 bis -15 Prozent, sofern es keinen neuen Rohstoff- oder Zollschock gibt .

6. Preiswende bei Modulen: Das Ende der Tiefpreis-Ära ab April 2026

Die vielleicht wichtigste Entwicklung des Frühjahrs 2026 ist die Trendwende bei den Modulpreisen. Ab dem 1. April 2026 streicht China die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Solarmodule, Zellen und Wafer vollständig . Bislang konnten chinesische Hersteller bei Exporten einen Vorsteuerabzug von bis zu 13 Prozent geltend machen – zuletzt noch 9 Prozent .

Die ersten Auswirkungen sind bereits spürbar: In den vergangenen Wochen sind die Modulpreise moderat gestiegen. Effiziente Module mit modernen Zelltechnologien werden derzeit für durchschnittlich 11,5 Cent pro Watt gehandelt – 4,5 Prozent mehr als im Vormonat . Komplett schwarze Module kosten im Schnitt 13 Cent pro Watt, ebenfalls ein halber Cent mehr als noch im Vormonat .

Martin Schachinger von der Handelsplattform PV Xchange warnt vor überzogenen Preiserhöhungen: “Im Projektbereich sind Preiserhöhungen um bis zu 20 Prozent zu akzeptieren, im Distributionsbereich wurden die Modulpreise in den vergangenen Tagen teilweise bereits um bis zu 30 Prozent nach oben korrigiert” .

Für Batteriespeicher gilt eine Übergangsfrist: Zwischen April und Dezember 2026 sinkt der Exportrabatt von 9 auf 6 Prozent, bevor er 2027 ganz entfällt .

7. Wirtschaftlichkeit neu gedacht: Der Eigenverbrauch als Schlüssel

Die Amortisationsrechnung fällt eindeutig aus: Eine PV-Anlage mit Stromspeicher amortisiert sich bei normalem Haushaltsverbrauch in etwa 13,3 Jahren, während eine Anlage ohne Speicher fast 17 Jahre benötigt . Mit zusätzlicher Wärmepumpe oder Elektroauto verkürzt sich die Amortisationszeit auf nur 6,7 Jahre .

Die Logik ist bestechend: Je mehr Strom selbst verbraucht wird, desto besser die Rendite. Bei aktuellen Strompreisen von rund 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde aus dem Netz und Kosten von nur etwa 8 bis 12 Cent für selbst erzeugten Solarstrom ergibt sich eine Ersparnis von bis zu 23 Cent pro Kilowattstunde . Rund 25 Prozent der neu installierten Solarsysteme werden bereits mit Wallboxen kombiniert, eine Quote, die den Trend zur Sektorenkopplung unterstreicht .

8. Was bedeutet das für Verbraucher und Installateure?

Die Botschaft für alle Interessenten ist eindeutig: Wer mit dem Gedanken spielt, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, sollte 2026 nicht zu lange zögern. Die Preise für Speicher befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau, die Module sind trotz der bevorstehenden Steigerungen noch vergleichsweise günstig – aber das Fenster schließt sich ab April 2026.

Gleichzeitig wird die Wahl des richtigen Partners wichtiger denn je. Peter Knuth beobachtet, dass sich die Anbieterlandschaft verändert: Viele kleine Installateure werden dem Preisdruck nicht standhalten, der Markt konsolidiert sich weiter, mit Unternehmen, die umfassende Dienstleistungen für Eigenverbrauch, Energiespeicherung und Smart-Home-Integration anbieten .

Entscheidend sind Erfahrung mit Systemintegration, Kenntnisse in der Kombination von PV, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe sowie die Einbindung von Energiemanagement-Lösungen.

Fazit: Jetzt handeln, aber mit Bedacht

Der März 2026 bietet ein seltenes Zeitfenster: historisch günstige Speicherpreise, die ersten konkreten Schritte zur Umsetzung von Energy Sharing und eine sich konsolidierende Anbieterlandschaft, die Qualität und Systemintegration belohnt. Gleichzeitig steht mit der Abschaffung der chinesischen Exportrabatte ab April eine Preiswende bevor, die Module spürbar verteuern wird.

Wer heute investiert, sollte nicht nur auf den Preis schauen, sondern in ein durchdachtes Gesamtsystem mit Speicher, der Perspektive auf Sektorenkopplung und idealerweise der Option auf Energy Sharing investieren. Die Wahl eines kompetenten, zukunftsfähigen Partners entscheidet über den langfristigen Erfolg.

Peter Knuths Rat: “Keine Angst vor der Zukunft haben und lieber jetzt investieren, als später bereuen” . Mit dem richtigen Systemansatz wird Photovoltaik zur besten Investition in eine unabhängige, nachhaltige Zukunft.